Wie du den richtigen ETF findest!

Da steht man nun! Völlig verzweifelt und erschlagen von der Auswahl! Überall liest und hört man, dass man per ETF in Aktien investieren soll. Aber bloß in welchen? Das sagt dir keiner!

 

Am Ende des Textes wirst du dieses Problem nicht mehr kennen! Dann wirst du nämlich einen Leitfaden haben, wie du zukünftig stets den richtigen ETF finden kannst!

 


Wieso, weshalb, warum ETFs?

Bei einem ETF wird die Entwicklung eines bestimmten Index (gemeinsame Entwicklung mehrerer einzelner darin enthaltener Werte) eins zu eins, abzüglich der Kosten, nachgebildet. Die Werte in diesem können verschiedene Aktien, aber auch Anleihen oder Rohstoffe (dann ETC genannt) sein. Dabei werden mittlerweile mehr als 700 verschiedene Indices nachgebildet (Quelle 1).

 

Wenn aber alle schreien, dass ein Produkt super ist, dann stimmt häufig was nicht! So auch bei ETFs?

 

Nein!  Es gibt nämlich zahlreiche Gründe, wieso man guten Gewissens ETFs kaufen kann. Lehn dich entspannt zurück und genieß die kurze und bündige Auflistung:

 

- Kostengünstig: Bei dem Konkurrenzprodukt, namens Fonds, kann man durchgehend höhere jährliche Gebühren feststellen. So liegen diese bei Fonds (hier Katergorie "Aktien Global") im Schnitt zwischen 1,3-2,0% pro Jahr (Quelle 2). Bei den ETFs für den MSCI World betragen diese allerdings jedoch nur 0,2-0,5% (Quelle 3). Ein Unterschied von 1,2% macht bei einer Summe von 2.000€ über 10 Jahre schon gut 360€ aus, wie du anhand dieser Rechnungen (1, 2) sehen kannst. Von daher immer bei sämtlichen Produkten auf die Gebühren achten.
- Diversifikation: Ein weiterer Vorteil, weshalb ETFs angepriesen werden, liegt darin, dass man mit wenig Geld an vielen Aktien beteiligt ist. Beim Erwerb vom MSCI World bedeutet dies, dass man an über 1.600 Einzelaktien investiert ist. Wenn man so eine breite Streuung mit herkömmlichen Aktieninvestments erreichen möchte, benötigt man stattdessen Unmengen von Summen.
- Passives Investieren: Passive Investieren bedeutet, dass man genau so gut, wie der entsprechende Index ist. Das mag zwar für den ein oder anderen nach wenig klingen, aber dieses Ergebnis an sich ist allerdings hervorragend. Denn im Vergleich zu aktiv gemanagten Fons, die stattdessen zu ihrem Vergleichsindex eine durchschnittliche Unterrendite von -2,5% pro Jahr (Quelle 4) erzielen, sieht man, dass genauso gut wie der Vergleichsindex zu sein, bedeutet, besser als die Fondmanager zu sein, die sich täglich mit den Märkten beschäftigen.

Der ETF-Finde-Algorithmus

Nachdem wir jetzt über die wirklich tollen Vorteile von ETFs gesprochen haben, geht es im Folgenden darum, wie man den richtigen ETF für sich findet. Den Vorgang zeig ich dir anhand des MSCI World ETFs. Generell verwende ich zur ETF-Suche justETF. Dort kann man rechts vom Suchfeld seinen gewünschten Index auswählen. Beim MSCI World bekommt man dann erst einmal dieses Bild mit 14 Treffern. Zunächst zeige ich das Vorgehen für eine Einmalanlage in ETFs:

 

                Quelle: justETF

 

Als 1. Schritt überlegt man sich, ob man die durch die Anlage erwirtschafteten Erträge sich auszahlen möchte oder, ob diese direkt reinvestiert werden sollen. Die Option "Ausschütten" macht Sinn, wenn man sich ein kontinuierliches Nebeneinkommen unabhängig von den aktuellen Marktschwankungen auszahlen möchte. Wie oft die Ausschüttung erfolgt, wird jeweils ETF intern entscheiden (quartalsweise bis einmal jährlich). Genaue Angaben zur Ausschüttung kann man dem ETF entnehmen, indem man bei justETF einfach auf diesen klickt.

 

Reinvestierende (=theausierende) ETFs eignen sich hingegen, wenn man sich langfristig ein Vermögen aufbauen möchte. Dies liegt einmal daran, dass die erwirtschafteten Erträge bei ausschüttenden ETFs direkt, aber bei theausierenden ETFs erst mit dem Verkauf anfallen. Außerdem kommt beim theausierenden ETF der Zinseszinseffekt zum tragen.

 

In meinem gewählten Beispiel entscheiden wir uns für einen theausierenden ETF.  Danach verbleiben nur noch sieben Möglichkeiten.

 

Quelle: justETF

Der Einfluss der Währung auf deinen ETF

Um die Auswahl weiter einzuschränken, siehst du links von der ETF-Auflistung weitere grau hinterlegte Filtermöglichkeiten.

 

Eine wäre dabei die Währung. In der Regel macht es der einfacher halber Sinn bei unserem guten alten Euro zu bleiben. Wenn man in Dollar oder einer anderen Währung anlegen möchte, empfiehlt es sich, vorher herauszufinden, ob tendenziell der Dollar steigt und somit eine Investition in dollargehandelten ETFs Sinn macht. Im Detail geht es um diese beiden Fragen:

 

- Hebt die amerikanische Zentralbank, die FED, zukünftig den Leitzins weiter an (aktuelle Leitzinsstände)?

 

- Steigt das Wirtschaftswachstum in den USA?

 

Bei einem Ja für die jeweilige Frage, spricht dies für einen steigenden Dollarkurs.

Warum die Replikationsart egal ist

Als einen weiteren Punkt, den man berücksichtigen kann, ist die Replikationsart. Diese sagt dir, ob der ETF auch wirklich den Index in der Form abbildet, indem er sämtliche Titel, die in diesem enthalten sind, kauft. Generell gibt es dabei drei Arten:

 

- Einmal die vollständig Replikation, d.h. der ETF kauft alle Werte zum gleichem Verhältnis, wie sie in dem Index gelistet sind.

 

- Teilweise Replikation, das bedeutet in dem ETF sind nur ein Teil aller Werte vom original Index enthalten.

 

- Synthetische Replikation (Swap): Dabei investiert der ETF-Anbieter gar nicht unbedingt in die Aktien des zugrundeliegenden ETFs, verpflichtet sich aber trotzdem, die Performance des gewünschten Index abzubilden. Dies klingt natürlich erst einmal riskant, da hierbei ein Ausfallrisiko des Swap-Kontrahenten besteht. Allerdings ist dieses mit 10% gedeckelt. Wer sich ausführlich über Swap-ETFs informieren möchte, für den kann ich folgenden Artikel empfehlen.

 

Zwar gibt es diese drei Unterschiede, wie sich ein ETF zusammensetzen kann, aber für die Praxis hat es für dich keine große Bedeutung. Bei Swap-ETFs besteht zwar ein Ausfallrisiko, allerdings gibt es vom Gesetzgeber her strenge Auflagen, sodass dieses Risiko meines Erachtens sehr gering ist.

Bei meinem Beispiel mit der ETF-Auswahl vom MSCI World, beziehe ich der Einfachheit halber weder die Währung noch die Replikationsart weiter mit ein.

Stattdessen klicke ich auf auf "% Jahre" und vergleiche die verschiedenen ETFs bezüglich der Performance. ETFs, die jünger als drei Jahre sind (du kannst diese auch herausfiltern) ignoriere ich dabei.

 

Bloß worauf soll ich denn nun bei der Performance achten?

 

Zunächst vor allem auf die langfristige Performance. Wie du sehen kannst, unterscheidet sich diese zwischen den einzelnen ETFs gar nicht so sehr - was ja auch so sein soll und gut ist! Das zeigt schon mal, dass man bei der Entscheidung nicht sonderlich viel falsch machen kann. Die wichtigen Beschlüsse, wie überhaupt einen ETF zu kaufen, hast du bereits schon viel früher getroffen.

 

Quelle: justETF

Bei dieser Auswahl zeigt der iShares Core MSCI World UCITS ETF  die beste Performance. Nun klickt man diesen an, liest nochmal das Factsheet von dem ETF durch. Wenn weiter keine Ungewöhnlichkeiten ins Auge fallen, dann ist soweit alles gut.

 

Nun kopiert man die WKN des ETFs und gibt diese bei seinem Broker in der Ordermaske ein, kauft die gewünschte Stückzahl (einfach gewünschte Anlagesumme durch Preis des ETFs teilen) und ist ab nun stolzer ETF-Besitzer.

 

Wie dir aufgefallen ist, bin ich gar nicht näher auf die jährlichen Gebühren der ETFs eingegangen. Diese habe ich nämlich einfach ignoriert, da diese in der Performance berücksichtigt werden. Wenn beispielsweise bei einem Produkt sehr hohe Gebühren vorkommen sollten, dann wird dieser ETF es auch nicht schaffen, dieselbe Performance wie kostengünstigere Varianten zu erzielen.

Das Vorgehen bei Sparplänen

Wenn du allerdings einen Sparplan für einen ETF anlegen möchtest, dann macht es Sinn, bei den Filtereinstellung die Option "Aktions-ETF" von deiner Depotbank zu wählen. Danach bleiben so gut wie keine anderen ETFs mehr übrig, da die Banken meist pro ETF nur ein oder zwei Partner-ETFs haben.

 

Warum mach ich das so?

 

Wegen den Kosten! Bei einem Sparplan fallen normalerweise ungefähr 1,5% Ordergebühren an, bei "Aktions-ETFs" hingegen 0%. Diese Differenz wirkt sich in der Performance so sehr aus, dass selbst bessere ETFs diesen Unterschied im Vergleich zu schlechteren ETFs nicht aufholen können.

 

Damit du eine Übersicht hast, welche Broker wie viele Aktions-ETFs anbieten habe ich dir hier eine Übersicht mitgebracht:

 

 

Kauf/Verkauf-Kosten:

 ETF bzw. Aktien  im Wert von 2.000€

Standardkosten ETF-Sparplan Anzahl spar-planfähiger ETFs davon Aktions/ETFs ( 0€ Kosten) Special
           
120x40_Logo_Financeads_Depot mind. 9,90€

0,25%

1,75% 33    - Aktiensparpläne
Trader-Konto_Logo_120x60 mind. 9,95€

4,95€ +0,25%

1,5% 90 40 Aktiensparpläne
OnVista Bank - Die neue Tradingfreiheit 10,59€ 0,00% 41 41 Freebuys
4,99€+0,25€

mind. 8,99€

2,5% 476 87       -   -    -
 Logo_120x40  mind. 7,90€

0,25%

 2,50€+0,4%  140  116      -   -    -
 mind. 9,90€
 
4,90€+0,25%
 1,5%

max. 4,90€

 206  75      -   -    -
           

Alle Angaben ohne Gewähr!

P.S.: Solltest du die Logos der verschiedenen Banken nicht sehen können, dann schalte deinen Werbeblocker aus! 

 

Fazit!

Wie du sehen kannst, ist der letzte Schritt einen passenden ETF zu finden, gar nicht mehr so kompliziert. Das wichtigste ist, dass du dabei an sich nichts mehr groß falsch machen kannst.

 

Allerdings gibt es bei dem ETF-Kauf noch eine Sache zu berücksichtigen - die Steuern. Hierzu hat meine Blogger-Kollegin Fräulein Zaster eine schöne Zusammenfassung verfasst. 

 

Quelle 1: justETF abgerufen am 14.1.16  https://www.justetf.com/de/find-etf.html

Quelle 2: ING Diba abgerufen am 14.1.16  https://wertpapiere.ing-diba.de/DE/Showpage.aspx?pageID=36&UseURL=Ja&Fondstyp=Alle&Fondsart=nur+Fonds+(aktiv+verwaltet)#BHP

Quelle 3: justETF abgerufen am 14.1.16  https://www.justetf.com/de/find-etf.html?index=MSCI%2BWorld

Quelle 4: Extra-Funds aberufen am 14.1.16  https://www.extra-funds.de/etf-news/scope-etfs-schlagen-aktive-fonds.html

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Kommentare: 9
  • #1

    Philipp von Investment Amad€ (Donnerstag, 21 Januar 2016 11:37)

    Hallo Kilian!

    Der Artikel ist eine sehr gute Anleitung für alle, die sich noch nicht mit ETFs beschäftigt haben.

    Investierst du auch in Einzelaktien? Oder nur in ETFs?

    MFG Philipp

  • #2

    Kilian von Finanzdurchblick (Donnerstag, 21 Januar 2016 12:08)

    Hallo Philipp :)

    ich investiere in beides....
    Bis vor kurzem habe ich sogar vor allem nur in Einzeltitel investiert. Mittlerweile bau ich mir auch ein ETF-Depot auf, wo ich langfristiger anlegen möchte...

    MFG Kilian

  • #3

    Philipp (Donnerstag, 21 Januar 2016 18:16)

    Echt guter Artikel, sollte ich mal was ändern in meinem sparplan werde ich die Hilfe nutzen.

    Habe sowohl thesaurierend, als auch ausschüttend und du?

    Gruss Philipp

  • #4

    Kilian von Finanzdurchblick (Freitag, 22 Januar 2016 17:13)

    Abend Philipp,

    ich halte nur thesaurierende ETFs, da ich aktuell kein passives Nebeneinkommen haben möchte. Vermögensaubau steht im Vordergrund ;)

    Beste Grüße
    Kilian

  • #5

    Freddy (Freitag, 22 Januar 2016 18:34)

    Hallo Kilian,
    die Währung ist nicht wichtig. Wichtiger sind die Währungen im etf. Der Msci World befindet sich fast zu fast 60% aus Dollar Unternehmen.

  • #6

    Kilian von Finanzdurchblick (Freitag, 22 Januar 2016 20:32)

    Hallo Freddy,

    da geb ich dir Recht. Aber dies wird ja meistens in der Währung des ETFs mit berücksichtigt.
    So werden ja in diesem Beispiel 13 der 14 ETFs in Dollar gehandelt....

  • #7

    Peter (Mittwoch, 27 Januar 2016 22:10)

    Ich nutze auch gerne den Ishares-Dividendenkalender zur Auswahl meiner ETFs. Dort schaue ich mir den Ex-Tag an und kaufe kurz davor. Natürlich gibt der Kurs dann nach, aber das egalisiert sich meist wieder nach kurzer Zeit und so habe ich meist den Kursgewinn und die Dividenden binnen kurzer Zeit.

    Oft verkaufe ich dann und gehe zu dem mit dem nächsten Dividendentermin usw.

    Voraussetzung ist immer, dass der Kurs vorher quasi geradlinig nach oben gegangen ist. Fonds mit drastischen Schwankungen nach unten kaufe ich grundsätzlich nicht.

  • #8

    Bernd (Sonntag, 31 Januar 2016 08:36)

    Hallo,

    sehr schön geschrieben und auch für Laien verständlich.

    Ich finde allerdings, dass der Steueraspekt ein wichtiger Punkt ist, der fehlt. Deshalb ist die Replikationsart wohl auch nicht so ganz egal, wenn man das Herkunfstland bei thesaurierenden Fonds außer Acht lässt.

    Schönen Gruß

  • #9

    Kilian von Finanzdurchblick (Sonntag, 31 Januar 2016 12:36)

    Hallo Bernd,
    vielen Dank für dein Lob :) ...
    Steuern sind absolut ein wichtiger Punkt, den es nicht zu vernachlässigen gilt. Aber ich wollte dieses Thema nicht auch noch in den Text mithineinpacken.

    Daher habe ich im letzten Satz zu einem anderen Artikel verlinkt, der sich allein mit ETFs und Steuern befasst.