Smart-Beta-ETFs: Was bringt der neue Trend bei Indexfonds?


 

Smart-Beta-ETFs wollen besser als ihr Index sein. Doch wie können sie das erreichen? Und was ist mit den Kosten? Fragen über Fragen . . .

 

 

 

Exchange Traded Funds (ETFs) erfreuen sich seit ihrer Markteinführung vor rund 40 Jahren zunehmender Beliebtheit. Sie sind der Anlagetrend unserer Zeit.

 

Es handelt sich um vergleichsweise einfache, transparente und günstige Investmentfonds, die lediglich einen bestimmten Börsenindex passiv nachbilden und keinen Fondsmanager benötigen.

 

Weltweit gibt es rund 6.000 Indexfonds, in denen knapp 3.000 Milliarden USD stecken.

 

Aktuell sorgt eine neue Generation von ETFs für Aufsehen:

 

Sie verspricht mehr Rendite bei weniger Risiko. Dabei bilden diese ETFs ihre Börsenindizes nicht nur einfach ab, sondern wollen auch deren Schwächen korrigieren.

 

 

 

Was man unter dem Beta versteht

Unter Beta versteht man die durchschnittliche Rendite eines Marktes. Smart-Beta-ETFs wollen nun cleverer sein als konventionelle Indexfonds und deren Rendite übertreffen.

 

Damit verfolgen sie das gleiche Ziel wie aktiv gemanagte Fonds: Sie wollen den Markt schlagen.

 

Mit passivem Investieren, wie die Geldanlage in Indexfonds auch genannt wird, hat das jedoch nichts mehr zu tun.

 

Doch wie wollen sie dieses Ziel erreichen?

 

Hinter den smarten (schlauen) Geschwistern der Indexfonds verbergen sich Algorithmen. Diesen Begriff kann man mit Handlungsanweisungen übersetzen. Beispielsweise ist ein Kochrezept ein Algorithmus, der besagt, wie man das jeweilige Gericht zubereitet.

 

Die Algorithmen der Smart-Beta-ETFs wollen nun das klassische Produkt verbessern.

 

 

Die Strategien hinter Smart-Beta

Möglichkeiten, einen Index aufzupolieren, gibt es viele. Die Art und Weise, wie dieser optimiert wird, ist jedoch das einzig aktive Element in den sonst passiv gemanagten Smart-Beta-ETFs.

 

Zwar wird der jeweilige Index bei den neuen Produkten immer noch als Basisgröße herangezogen, doch bestimmte Werte werden mal stärker gewichtet als andere. Beispielsweise werden dividendenstarke Wertpapiere besonders stark gewichtet.

 

Oder aber alle Aktien in einem Index erhalten ein identisches Gewicht unabhängig von der Unternehmensgröße, die bei traditionellen marktgewichteten Indizes eine wesentliche Rolle spielt.

 

So steigt der Anteil von aktuell niedrig bewerteten Aktien, die mehr Wachstumspotenzial haben.

 

Im Dax oder im Euro Stoxx 50 sind alle Unternehmen unterschiedlich stark gewichtet. Mal hat eine Aktie 10 Prozent Anteil am Index, mal 5 Prozent oder auch nur 2 Prozent. Erhält jede Aktien das gleiche Gewicht, ist das bereits eine Smart-Beta-Strategie.

 

Smart-Beta-ETFs gewichten die Mitglieder ihres Index also nicht wie üblich nach Marktkapitalisierung, sondern nach alternativen Kriterien.

 

Dabei können im Wesentlichen drei Gruppen unterschieden werden:

 

  • ETFs, bei denen die Aktien ihrer Indizes nach fundamentalen Kriterien (bestimmten betriebswirtschaftlichen Kenngrößen) gewichtet werden.

  • ETFs, bei denen alle Aktien eines Index gleichgewichtet werden und

  • ETFs, bei denen die Aktienauswahl auf bestimmten Faktoren beruht, wie zum Beispiel einer niedrigen Volatilität (Schwankungsbreite).

 

Zusammenfassend benutzen also die Emittenten von Smart-Beta-ETFs alternative Gewichtungsmethoden, bei denen das Übergewicht besonders hoch bewerteter Titel reduziert wird.

 

Damit brechen die neuen Indexfonds mit wesentlichen Prinzipien konventioneller ETFs. Zudem sind sie oft kompliziert – wenn sie verschiedene Regeln miteinander kombinieren - und zum Teil wesentlich teurer.

 

Die Kosten von Smart-Beta-ETFs sind deutlich höher

Die Anbieter von ETFs sind nämlich trotz des hohen Wachstums mit ihren Erträgen noch lange nicht zufrieden.

 

Der Wettbewerb hat bisher dazu geführt, dass die Gebühren kontinuierlich sanken.

 

Stattdessen rieben sie sich die Hände, könnten sie ihre Indexfonds teurer als bisher verkaufen.

 

Verschwiegen werden nämlich gern die im Vergleich zu klassischen Indexfonds bis zu zehnmal höheren Gebühren.

 

Trotzdem sind der globalen ETF-Branche in diesem Jahr bereits rund 30 Mrd. USD für Smart-Beta-Produkte zugeflossen. Insgesamt waren es über alle Indexfonds ca. 351 Mrd. USD.

 

 

Fazit

Aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase herrscht vielerorts ein Anlagenotstand.

 

Smart-Beta-ETFs könnten die Lösung für dieses Problem sein, wie es beispielsweise der US-Ökonom Nouriel Rounbini sieht, der 2004 das Platzen der Immobilienblase in den USA richtig prognostizierte.

 

Demnach könnten sie als Beimischung eine Bereicherung für ein Portfolio sein.

 

Andere Experten wiederum warnen aber vor Smart-Beta-ETFs und empfehlen, doppelt genau hinzusehen, bevor man zugreift. Denn mache Strategien funktionieren, und andere nicht.

 

Zudem ist eine Menge an Marketingstrategie dabei und ob all die Konzepte hinter Smart-Beta dem Anleger wirklich Nutzen bringen, muss sich erst noch zeigen:

 

Denn noch ist es zu früh, um beurteilen zu können, ob sie ihre selbstgesteckten Ziele auf Dauer tatsächlich erreichen.

 

 

 

Über den Autor

Smart beta

 

Dr. Jürgen Nawatzki ist Diplom-Kaufmann und war früher Finanzberater bei MLP, bevor er seine Liebe zum Schreiben entdeckte. Inzwischen ist er zusätzlich ausgebildeter Journalist und betreibt den Finanzblog ETF-Blog.com, in dem es um Geldanlage mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) geht und um die Idee des passiven Investierens.

 




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