Was ist ein Vermögensverwalter und wie investiert er eigentlich das Geld seiner Kunden?


Vor einiger Zeit habe ich mit Florian, der Autor dieses Textes, ein schönes Gespräch geführt. Dabei ging es neben vielen spannenden Themen auch um die Frage, zu welchem Thema er seinen Gastartikel schreiben soll. Sofort fiel mir die Frage oben in der Überschrift ein, weil sie mich wirklich selbst sehr interessiert. Daher möchte ich jetzt schon mal Florian danken, dass er mir einen Einblick in seine Welt der Vermögensverwaltung gibt. Mehr über Florian und seinen Blog erfährst du am Ende des Textes. Nun erstmal viel Spaß beim Lesen seines Artikels!

 

Bestimmt hast du dir diese Frage schon einmal gestellt. Welche Vorzüge sind Leuten mit mehr Geld vorbehalten, die der Otto Normalbürger in einer Bankfiliale oder bei einem Honorarberater nicht bekommt?

 

 

Ich selbst arbeite seit vielen Jahren für eine unabhängige Vermögensverwaltung und möchte dir heute die verschiedenen Modelle der Vermögensverwaltungen, die von der Liquidität des Kunden abhängig sind, vorstellen. Zunächst muss man hier zwischen verschiedenen Arten von Vermögensverwaltungen unterscheiden:

Die verschiedenen Modelle der bankenseitigen Vermögensverwalter

Betrachten wir zuerst Die bankenseitige Vermögensverwaltung. Hier ist eine individuelle Vermögensverwaltung je nach Bank unterschiedlich gestaffelt. Je nach Höhe des Betrages wird unterschiedlich hantiert. Dies wird zwar nie offenkundig erwähnt, trotzdem ist es so.

 

Bis 100.000€ werden oft nur Fonds zur Strategieabdeckung genommen. Zusätzlich fällt eine quartalsweise, halbjährliche oder jährliche Gebühr an. Auf das Jahr gerechnet kann man grob zwischen 1% und 2% vom Fondsvolumen rechnen, die die Bank als Honorar veranschlagt. Eine durchaus legitime Sache, wobei die Kosten der Fonds darin nicht enthalten sind. Die Auswahl der Fonds läuft sehr strukturiert ab und beschränkt sich größtenteils auf die bekannten großen Flaggschiffe der jeweiligen Asset-Klasse. Ein regelmäßiges Rebalancing (sprich Anpassung an wirtschaftliche besonders gute Branchen, Länder oder Sektoren) erfolgt nicht. Damit wiederum entfallen aber unnötige Transaktionskosten.

 

Zwischen dem Anlagekorridor von 100.000€-250.000€ ändert sich nichts Großartiges gegenüber dem vorigen Beispiel. Hier sind die Margen für die Bank auch noch zu klein, um mit anderen Anlagevehikeln zu agieren als Fonds. Von der Kostenseite wird sich auch nichts Dramatisches verändern, da der Ertrag, den die Bank dadurch erwirtschaftet, relativ gering ist.

 

Ab 250.000€ gibt es bei einigen Banken schon eine individuellere Lösung in der Form, dass man mit Einzelaktien und Unternehmensanleihen agiert. Jedoch gibt es auch bei diesem Betrag schätzungsweise zu 90% eine Standardlösung in Form einer einfach strukturierten, je nach Risikoprofil des Kunden gestalteten Portefeuilles.

 

Ab 500.000€ trennt sich die Spreu vom Weizen. Große renommierte Banken fahren weiterhin standardmäßig ihr Programm runter, und der Kunde ist lediglich eine Nummer. Bei kleineren Banken bekommt der Kunde mit diesem Betrag schon eine individuellere und womöglich maßgeschneiderte Zusammenstellung seines Portfolios. Das Private Wealth Management im klassischen Sinne beginnt aber erst ab der nächsten Kategorie.

 

Ab 1.000.000€ fangen auch die großen Banken an, für ihre Kunden Aktien einzeln zu selektieren. Ein kompetenter Kundenbetreuer hält Sie über die aktuellen Geschehnisse an der Börse auf dem Laufenden. Wie das Portfolio strukturiert ist, hängt von verschiedenen Parametern ab.

 

Erstens der Risikoaffinität, zweitens von dem Anlagehorizont und drittens von der Zielausrichtung. Je nach Anlagetyp und Wahl der Strategie wird die Feinjustierung hinsichtlich der prozentualen Aufteilung in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Gold, Cash etc.. getroffen.

 

Es gibt einige renommierte Privatbanken, die einen speziellen Bereich der Vermögensverwaltung und Family Office anbieten. Family Office bedeutet die ganzheitliche Betreuung von Vermögen, beispielsweise von Unternehmern, Familien Dynastien, großen Erbvermögen etc. Dieses Kundenklientel zu bedienen, fängt oft ab einem Volumen von 5 Millionen€ Anlagesumme an. Hierbei werden auch Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater als Partner ins Boot geholt, um auch für Fragen abseits der klassischen Geldanlage und kompliziertere Sachverhalten kompetent ansprechbar zu sein.

Die unabhängigen Vermögens-verwalter

Bei den unabhängigen Vermögensverwaltungen muss man wiederum differenzieren zwischen den Vermögensverwaltungen, welche hauseigene Produkte (beispielsweise Fonds) auflegen und Vermögensverwaltungen, die total unabhängig agieren, ohne einen Interessenskonflikt einzugehen. Die großen Player am Markt setzen daher oft Ihre hauseigenen Fonds bis zu einem Mandatsvolumen von 500.000€-1.000.000€ an. Hier fallen zusätzlich zu dem Verwaltungsmandat die Kosten der Fonds ins Gewicht. Summa summarum kann man hier locker auf 2-3% im Jahr an Kosten kommen. Ab 1.000.000€ fangen die meisten aber dann auch an, auf Einzeltitel-Basis und individueller zu agieren. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, sodass man nicht alle Vermögensverwaltungen pauschal beurteilen kann.

 

Die unabhängigen Vermögensverwaltungen, die ohne hauseigene Produkte agieren, können sich mit dem Privileg brüsten, ohne jeglichen Interessenskonflikt zu agieren. Oftmals ein großer Vorteil in einer Zeit, in der die Bankenwelt so langsam unter einem schlechten Ruf leidet. Kleinere „Boutiquen“ von Vermögensverwaltungen können ab 100.000€-250.000€ mit Einzelwertaktien arbeiten, da der Fixkostenblock geringer ist.

 

Das Honorar wird je nach Vermögensverwaltung unterschiedlich gehandhabt. Einige Vermögensverwaltungen ziehen dem Kunden quartalsweise die Gebühr ein, andere wiederum halbjährlich oder nur einmal im Jahr. Viele Vermögensverwaltungen verlangen zudem eine Performance Fee.

 

Beispiel: Sie kommen als Kunde mit 250.000€ und beauftragen eine Vermögensverwaltung mit 1% pauschalen Kosten im Jahr und einer Performance Fee von 10%. Ihr Aktiendepot ist am Ende des Jahres bei 275.000€. Ergo bekommt der Vermögensverwalter sein Honorar von 1% (2.500€) plus auf den Zuwachs von 25.000€ nochmals 10% Performance Fee für seine gute Arbeit. Dies sind nochmals 2.500€. In Summe 5.000€ an Kosten. Manche Vermögensverwalter bestehen auf einer Schwelle, die erreicht werden muss, um Performance Fee zu bekommen.

 

Obiges Beispiel mit einer Performance Fee Schwelle von 5%.

 

 

 

Honorarkosten bleibt bei 2500€. Aber die Performance Fee, die die Vermögensverwaltung dem Kunden jetzt in Rechnung stellt ist nicht 10% vom Zuwachs, sondern lediglich die 5% (Differenz von Zuwachs (10%) und Schwelle (5%). Somit 1.250€. In Summe ein humaneres Spiel für den Kunden und kostengünstiger. Der Vermögensverwalter ist zudem erst

einmal gehalten, die 5% Performance zu erwirtschaften, um in den Genuss dieser Einnahmenquelle zu kommen.

 

 

Fazit

Eine gezielte Auswahl ist unbedingt notwendig, um den richtigen Vermögensverwalter zu beauftragen. Eine pauschale Lösung gibt es nicht. Je nachdem wie hoch der anzulegende Betrag ist, muss man Eventualitäten abwägen und sich sachkundig informieren. Speziell ist die Kostenseite zu beachten. Eine Vermögensverwaltung ist in dem Sinne interessant, dass Ihr Portfolio unter ständiger Beobachtung steht. Auch bekommen Sie einen individuellen Ansprechpartner, der sich bei guter Arbeit wie ein Psychologe verhält und Sie gegenüber dem Aktienmarkt und deren Schwankungen sensibilisieren sollte. Trotzdem ist vorab auf die Kostenseite zu achten. Diese sollte man im Detail durchleuchten.

 

Über den Autor

Vermögensverwalter

 Florian Müller ist Blogger und Finanzautor. Während seines Studiums bei Prof. Dr. Max Otte am Institut für Vermögensentwicklung Köln setzte er sich intensiv mit dem „Value Investing“ auseinander und wirkte am Buch „Endlich mit Aktien Geld verdienen“ von Max Otte mit. Ende 2015 brachte er sein eigenes Buch "Vorsorgemodell 4.0*Vermögensverwalter" raus. Derzeit arbeitet Müller bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Frankfurt am Main und betreut dort wohlhabende Kunden. Nebenbei betreibt er seinen eigenen Blog "Börseneinmaleins".

 


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Kommentare: 5
  • #1

    Philipp (Montag, 29 Februar 2016 19:03)

    Hallo Florian!

    Was mich interessieren würde: Bei welcher Vermögensverwaltung bist du angestellt? Und welche Vermögensvolumina verwaltest du?

    MFG Philipp

  • #2

    Florian Müller (Mittwoch, 02 März 2016 13:10)

    Hallo Philipp,

    danke für dein Kommentar. Ich bin bei einer unabhängigen VV engagiert. Es ist eine kleine Boutique, wir verwalten aber knapp 1 Mrd. €

    Grüße

  • #3

    Dominic (Mittwoch, 09 März 2016 09:45)

    Die Frage im Titel habe ich mir auch schon gestellt. Es gibt so viele Vermögensverwalter. Das Problem ist bei der Masse die besten zu finden. Ich stell die Frage, ob der Verwalter selbst sein eigenes Geld in dem Produkt anlegt. Denn wer mit fremden Geld spielt, geht meist andere Risiken ein, als wenn es das eigene Geld ist.

  • #4

    Kilian (Mittwoch, 09 März 2016 09:52)

    Hallo Dominic,

    deine Frage finde ich sehr gut. Daran kann man testen, ob die Personen wirklich hinter ihrem Produkt steht. Allerdings können wir ja nie sicher sagen, ob sie uns bei der Antwort nicht anlügt.

    Beste Grüße
    Kilian

  • #5

    Philipp ( Weg zum Reichtum ) (Samstag, 12 März 2016 13:03)

    Hi Florian,

    wie viele arbeiten in der kleinen Boutique?
    1Mrd ist echt enorm, hast du da teilweise Angst Fehler zu machen?
    Und ,falls du das sagen darfst, wie viele Klienten habt ihr?

    Gruß Philipp