Altersarmut vermeiden Teil II: Wie die richtige Vorsorge aussieht, ohne dabei an Altersvorsorge zu denken!

Die Challenge steht im Raum: Kann es unserer Erzieherin gelingen, ihre individuelle Rentenlücke zu schließen.  Und wie sieht es bei dir aus? Welchen Betrag und welchen Zinssatz benötigst du, um deine persönliche Rentenlücke zu schließen? Am Ende werden wir der Lösung auf alle Fälle einen Schritt näher sein!

 


Betrachte die Altersvorsorge nicht als Vorsorge an!

Der Begriff hört sich für junge Leute ehrlich gesagt ziemlich trocken und lame an. Und die Vorstellung Jahrzehnte lang auf einen Tag X hinzusparen, klingt auch alles andere als reizvoll. 

 

Daher habe ich das Thema für mich mental nicht unter Altersvorsorge, sondern als Vermögensaufbau in meinem Kopf abgespeichert. Denn letztendlich unterscheidet sich der konkrete Prozess so gut wie gar nicht voneinander, wenn man selbst den Anlageprozess in die Hand nimmt.

 

Daher empfehle ich dir, wenn du es dir finanziell in Sache Altersvorsorge leisten kannst (ob, erfährst du gleich), das Ganze mit mehreren persönlichen Finanzzielen zu verbinden, wie ich es im Tutorial "Wohlstandsaufbau für Maxi Mustermensch" erkläre.

 

Dieser mentale Trick hat den Vorteil, dass du schneller die Früchte deines vorbildlichen Finanzverhaltens ernten kannst. Anstatt du einen Teil des Geldes erst zu deinem Renteneintritt wieder siehst, kannst du dir beispielsweise schon eine kleine Ernte nach 5 Jahren erlauben. So könntest du durch die Zinserträge zum Beispiel einmal im Jahr einen Tagesausflug in eine andere Stadt oder so etwas gönnen!

Schaffst du es, die Altersarmut zu vermeiden? 

154.282,32€ - Dies war die Summe, die ich im letzten Artikel als Rentenlücke für die alleinerziehende Erzieherin mit zwei Kindern auf der Basis ihrer Lebenserwartung und ihrem gewünschtem Lebensstandard errechnet habe.

 

Als erster Schritt steht dabei zunächst die Frage nach der monatlichen Sparsumme im Raum. Du solltest die Zahl für dich bereits kennen! Wenn nicht, kannst du hier im zweiten Teil des Artikels nachlesen, wie du diese konkret ermittelst!

 

Beim Beispiel der Erzieherin muss ich zuvor jedoch noch ein paar Überlegungen tätigen. Wieviel Geld die Erzieherin für sich selbst zum Leben braucht, kann ich mir einfach überlegen, da ich selbst einen Ein-Personen-Haushalt führe - ich rechne pauschal mit 900€/Monat. Aber wie viel kosten denn bloß zwei Kinder im Monat? Hierfür habe ich, so wie immer, das Internet nach einer Statistik durchsucht und bin auf diese gestoßen:

 

              Quelle: © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015

 

Nach diesem Diagramm nach habe ich die ersten vier Ausgabenposten (Essen bis Bekleidung) addiert und komme auf eine Summe von 648€.

 

Somit kann sie monatlich von ihren 1.700 netto mit Mühe rund 150€ zu Seite legen!

 

Mit diesen Angaben können wir nun im zweiten Schritt die benötigte Rendite errechnen, die für die gewünschte Summe erzielt werden muss! Hierzu kannst du den altbewährten Sparplanrechner benutzen, wobei du diesmal nach dem Zinssatz als offene Variable suchst!

 

Quelle: mit herzlichem Dank http://www.zinsen-berechnen.de/

 

Im Falle der Erzieherin kommt ein Zinssatz von 5,69% heraus. "Keine niedrige Rendite, aber die Altersarmut kann sie vermeiden, denkt man - sie muss eben nur in Aktien investieren!" Doch stimmt dieser vorschnelle Gedanke überhaupt?

Welche Anlageform ist zu wählen!

Zuerst checken wir, ob diese Rendite überhaupt durchschnittlich in der Vergangenheit erzielt wurde. Dies ist der dritte Schritt: Hierzu empfehle ich dir für deinen  Anlagehorizont (im Falle der Erzieherin 35 Jahre) im sogenannten Renditedreieck die durchschnittliche Aktienrendite für diesen Zeitraum zu ermitteln. Anbei paar Renditedreiecke der verschiedenen Indices:

Der Einfachheit halber beziehe ich mich im Beispiel der Erzieherin nur auf den DAX. Dort lag die durchschnittliche Rendite für eine 35jährige Anlagedauer zwischen 6,6% und 9,7%. Somit ist es für die Erzieherin also realistisch, ihren angestrebten Betrag bis zur Rente zu erreichen.

 

Wichtig ist aber auch noch daran zu denken, dass es im letzten Jahrzehnt alle 4-5 Jahre (s. Bild) zu einem größeren Drawdown/Kursrutsch im DAX gekommen ist. Daher empfiehlt es sich, dass du beispielsweise 5-10 Jahre vor deinem Renteneintrittsalter massiv deine Aktienquote reduzierst. Wenn der gewünschte Betrag erreicht worden ist, kann man auch ohne Weiteres nur noch in schwankungsarme Anlagen investieren.

 

Generell macht es für jede langfristige Altersvorsorge (und sei die zu erzielende Rendite noch so gering) Sinn, anfangs vermehrt in Aktien zu investieren. Wem die Schwankungsintensität von Aktien generell zu hoch erscheint, dem empfehle ich, anhand seines Risiko- und Anlageprofils eine geeignete Aktienquote von Anfang an auszuwählen. Wer mehr Angaben über diesen Prozess erfahren möchte, findet dies hier.

 

Mit dem Wissen, welche Rendite du zum Schließen deiner Rentenlücke benötigst, kannst du nun auch für dich entscheiden, ob du die Altersvorsorge, so wie oben beschrieben, unter der Kategorie "Vermögensaufbau" verbuchen kannst oder eben nicht. Dieses ist immer dann möglich, wenn deine realistische zu erwartende Rendite beispielsweise 1% über der benötigten Rendite liegen sollte!

 

Mit welchem Produkt soll nun die Rentenlücke geschlossen werden?

Da nun die Rahmenbedingung klar sind, stellt sich als vierter Schritt die Frage nach dem richtigen Produkt. Darauf werde ich im nächsten Artikel detaillierter eingehen.

 

Aktuell möchte ich dir erstmal nur einen Überblick über die verschiedenen Säulen der Altersvorsorge geben. Insgesamt gibt es drei Säulen, nämlich die gesetzliche (haben wir im ersten Artikel bereits berücksichtigt), die betriebliche und die private Altersvorsorge.

 

Die betriebliche Altersvorsorge werde ich in diesem Tutorial nicht behandeln. Wer sich dafür interessiert, dem habe ich einmal diesen Einsteigerartikel rausgesucht. 

 

Bei der privaten Vorsorge steht für mich eine zentrale Frage im Mittelpunkt, die ich in diesem Tutorial beantworten möchte: Soll ich diese ganz selbstständig in Eigenregie machen oder soll ich auch auf staatlich geförderte Produkte zurückgreifen? Darum wird es in einem der nächsten Teile des Tutorial gehen! Ich bin schon selbst auf das Ergebnis gespannt.

 

Quelle: Guidants

Vergiss vor lauter Vorsorge die Grundlagen nicht!

Zum Ende des Artikels möchte dich nur noch einmal daran erinnern, dass zu einer "Vorsorge" auch gehört, sich gegen unerwartete Schicksalsschläge in Form von Versicherungen zu abzusichern; nicht dass dich mitten in deinem Aufbau deiner Altersvorsorge ein großer Schadensanspruch auf dich zukommt und du nicht richtig versichert bist!

Im schlimmsten Fall kannst du dann nämlich schön dem Schiff "Altersvorsorge" hinterherwinken und "Ade, leb wohl" sagen.

Wenn du denken solltest, dass bei dir in dieser Hinisicht noch Handlungsbedarf bestehen könnte, findest du hier mehr Infos dazu. 

 

An die Arbeit!

Mach dir einmal ausgiebig darüber Gedanken, welche Relevanz das Thema "Altersvorsorge" für dich persönlich haben muss! Wenn du zum Schluss kommst, dass dies für dich wichtig ist, weil du durch deinen Vermögensaufbau dieses Thema nebenbei einfach mit abarbeiten kannst, dann mach es der Erzieherin gleich und wende die vier Schritte für deinen persönlichen Fall an!

 

Ansonsten gilt wie immer sharing is caring! Also wenn du eine Person kennst, die sich mit dem Thema beschäftigt, dann mail ihr diesen Artikel zu!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Investment Amad€ (Mittwoch, 16 Dezember 2015 18:08)

    Hallo Kilian!
    Regelmäßige Belohnungen sind meiner Meinung ewtas sehr wichtiges. Sie sind ein Antrieb, um immer weiter zu machen. Wenn man sich nichts gönnt, wird man sehr schnell die Motivation verlieren. Ich gönne mir zum Beispiel einmal im Jahr einen Urlaub mit meiner Freundin. Was denkst du dazu?

    MFG Philipp

  • #2

    Kilian von Finanzdurchblick (Sonntag, 20 Dezember 2015 19:46)

    Hallo Philipp,

    absolut richtig! Auch wenn ich seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr gemacht habe ;)
    Wer sich nicht zwischendurch auch mal Luxus und Schnickschnack gönnt, macht sich und seine Lebenszeit kaputt! Die verlorengegane Zeit kann man nicht wieder aufholen!

  • #3

    Anne (Mittwoch, 27 Januar 2016 11:12)

    Huhu,
    tolle Homepage - genau was für Simpel wie mich, die sich zu gerne um die Zahlen rum drücken!
    Seit ich meinen Beamtenjob gekündigt hab, muss ich mich aber um so viel kümmern - und so viel mehr wissen...
    Also, weiter her mit den tollen Tipps :)
    Liebe Grüße, Anne

  • #4

    Kilian von Finanzdurchblick (Mittwoch, 27 Januar 2016 22:27)

    Abend Anne,
    vielen liebend Dank, für deinen schönen Kommentar.
    Sowas zu lesen, freut mich sehr!

    Liebe Grüße
    Kilian