Schulden machen - never ever, oder?

Zwar gibt es in meinen Augen einige Situationen, in denen man Schulden aufnehmen darf, aber für dich gilt zunächst, dass du den Begriff „Schulden“ in deinem Finanzwortschatz überhaupt nicht kennst.


Schulden sind das genaue Gegenteil vom Zahnrad „Kapital“

 

... und dieses möchtest du nämlich stetig aufbauen. All die schönen Beispielrechnungen aus Lektion 2  über unsere drei Zahnräder, gelten genau so bei dem Thema „Schulden“. Bloß dass anstatt nun Geld in deine Tasche fließt, dir durch Schulden zusätzliche Kröten permanent und sinnlos flöten gehen! Das Geld arbeitet dann gegen dich, aber für einen anderen! Du befindest dich also auf der falschen Seite des Tisches. Außerdem machen Schulden abhängig. Sobald du monatlich immer einen Betrag überweisen musst, bist du gezwungen zu funktionieren und stets weiterzuarbeiten, damit du diese auch immer pünktlich bezahlen kannst. Du machst dich dadurch also zu einem Sklaven des Geldes.

 

Was aber ist, wenn du als Selbstständiger z.B. erkrankst und somit keine Einnahmen erzielen kannst? Dann kann es im Extremfall sehr schnell gehen und dein finanzielles Gebäude – was durch die zu hohe Schulden und finanzielle Verpflichtungen in Wirklichkeit ein Kartenhaus ist – bricht in sich zusammen.

 

Auch leidet die Gesundheit unter finanziellen Problemen. Wenn du mehr darüber lesen willst, dann klicke hier. Da meiner Meinung nach Kredite in der Regel nichts bei einem verloren haben, wirst du auch auf diesem Blog keine Links zu irgendwelchen Kreditangeboten finden!

Willst du mehr lernen

Im Übrigen ist das Leihen von Geld und dadurch Zinsen zu erzielen das ursprüngliche Kerngeschäft der Banken. Wer sich allgemein für die Geschichte des Geldes und das aktuelle Bankensystem interessiert dem empfehle ich das Buch „Der Aufstieg des Geldes - Die Währung der Geschichte* von Niall Ferguson, Professor in Harvard und Oxford, zu lesen. Alternativ kannst du dir auch bei Youtube eine Dokureihe darüber ansehen.

Aber zurück zum Thema Schulden: Für die Praxis bedeutet dies, dass

du dir 

 

nur Sachen kaufen kannst, die du dir vollständig zum aktuellen Zeitpunkt von deinem Geld auch leisten kannst

 

 

Wenn du nichts außer einer Sache aus all meinen Artikeln mitnimmst, dann bitte dies! Wenn jeder nur diese Regel berücksichtigen würde, ginge es unseren Mitmenschen finanziell enorm besser. Leider ist diese Einstellung gegen den aktuellen Zeitgeist, und dies macht es sehr schwer macht, sich an diesen Leitsatz zu halten. Dies fängt schon auf der großen Ebene der Politik an. Über Jahrzehnte war es gang und gäbe neue Schulden zu machen. Und wohin hat das geführt? Zu einer riesengroßen Schuldenproblematik, die z.B. wiederum die aktuelle Griechenlandproblematik zur Folge hat oder die Tatsache, dass die Tilgung von Krediten zum drittgrößten Ausgabeposten im Bundeshaushalt im Jahr 2015 geworden ist (Quelle 1).

 

Leider sieht es in den privaten Haushalten – wenn auch auf einer anderen Ebene – nicht besser aus.

 

Quelle: © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015; Statistisches Jahrbuch 2014, S. 180


"Überschuldet“ bedeutet in diesem Fall nur, wieviel % der Bevölkerung die Hilfe einer Schuldenberatung in Anspruch genommen hat. Dabei haben diese Personen im Schnitt in etwa 34.000€ Schulden. Ich persönlich finde diese Werte erschreckend hoch, vor allem wenn man die zusätzliche Schattenzahl von Leuten berücksichtigt, die noch keinen Schuldenberater kontaktiert haben.

Ursachen für Überschuldung privater Haushalte

Quelle: © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015

Was können wir aus dieser Statistik für uns persönlich lernen? 12,1% (Erkrankung, Unfall) der Fälle und einen Teil der Kategorie „...Tod des Partners“ sind Schicksalsschläge, deren finanzielle Folgen wir durch eine entsprechende Versicherung in den Griff bekommen können. Zum Umgang mit dem Problem der Arbeitslosigkeit, die die Hauptursache für die Verschuldung darstellt, kommen wir im nächsten Artikel zu sprechen. Ungefähr 15% der Fälle sind auf einen schlechten finanziellen Umgang zurückzuführen.


Kaufe dir also nur Sachen, die du dir vollständig zum aktuellen Zeitpunkt von deinem Geld auch leisten kannst! Ich wiederhole diesen Satz ganz bewusst, weil er sich dadurch besser in deinem Gedächtnis einprägen kann. Wenn du ihn verinnerlicht hast, kannst das Risiko durch einen schlechten finanziellen Umgang in Schulden zu geraten nahezu ausschließen! Für deinen Alltag bedeutet dies: Nimm keine Konsumkredite auf, um dir einen Urlaub, das neuste Smartphone oder edlere Klamotten leisten zu können – also Lebe keinen Lebensstandard über deine Verhältnisse. Falls du schon einmal so etwas gemacht hast, dann gilt:

Lerne die Ursachen für dein Verhalten

Stell dir dafür folgende Fragen:

  • Bist du für Lockangebote aus der Werbung besonders anfällig?
  •   Denke ich nur im „Hier und Jetzt“ und möchte immer gleich sofort Spaß haben? Das Morgen kümmert mich nicht!
  • Will ich mich meiner Umwelt bedeutender und erfolgreicher präsentieren als ich wirklich bin?
  •   Erhoffe ich mir, durch einen höheren Lebensstandard irgendwo dazu zu gehören?


Wenn du eine dieser Frage mit „Ja“ beantworten kannst, hast du immerhin schon einmal die grobe Ursache für dein Verhalten gefunden. Dieses jedoch zu ändern, ist alles andere als einfach. Probier es trotzdem! Du kannst es schaffen, wenn du dir die „Warumfrage“ – also die Frage nach dem Grund für dein Verhalten stellst, dir diesen klar vor Augen führst und du deine Einstellung wirklich ändern willst.

„Ich habe schon einen Schuldenberg zu tragen“

Wenn du schon tiefer im Schuldensog drin stecken solltest, dann lautet die erste Regel einzig und allein: Sorg dafür, dass du dich an deinen Haaren selbst wieder herausziehen kannst. Dies schaffst du nur, wenn du keine neuen Schulden aufmachst und jeden verfügbaren Euro zur Rückzahlung der bereits bestehenden Schulden verwendest. Du musst also den Gürtel enger schnallen! Wie du das am besten schaffst, wirst du in den nächsten Lektionen und in der Erarbeitung des Zahnrads „Ausgaben“ erfahren. Wenn du merken solltest, dass du trotzdem nicht weiter kommst, dann empfehle ich dir all deinen Stolz und deine Scheu für einen Moment abzulegen und einen mutigen Schritt zu wagen – suche einen professionellen Schuldenberater auf.

Wann Schulden doch akzeptabel sind

Dass es Situationen gibt, in denen Schulden trotz dieser Einwände akzeptabel sind, habe ich ja bereits im ersten Satz dieser Lektion erwähnt. Daher möchte ich dir auch diese Fälle kurz benennen, in denen man in meinen Augen Kredite aufnehmen darf, auch wenn stets die Überschrift dieses Artikels immer zuerst in deinem Kopf bleiben sollte.


  • Die Kosten für eine Sache sind so gewaltig, dass man diese nicht einfach so tragen kann. Dieses gilt z.B. beim Hauskauf oder unter Umständen auch bei einem Autokauf. Jetzt kannst du natürlich sagen, dass du mit diesem Satz den Freifahrtschein dafür hast, für alles Schulden zu machen, sobald sich ein finanzieller Wunsch als zu groß herausstellt, dass man diesen unmittelbar aus dem vorhandenen Vermögen bestreiten kann. Aber auch hier gilt, dass du diese Sache wirklich benötigst. Und wirklich benötigen heißt hier ganz klar, dass dieser Einkauf eine Art Investition darstellt.
  • Beim Beispiel Auto meine ich damit, dass dir diese Anschaffung ermöglicht, einem bestimmten Job nachzugehen, weil dieses es dir ermöglicht, deinen Arbeitsplatz unkomplizert zu erreichen. Dennoch möchte ich hier ein bestimmtes Maximum nennen, was du dir als Ausgaben für ein Auto leisten darfst. Der monatliche Kreditbetrag, den du über 5 Jahre bezahlst, darf nicht mehr als 10% deines Nettoeinkommens entsprechen.

 

  • Beim Beispiel Eigenheim wäre die Investition die sogenannte Mietrendite (also, dass du keine Miete mehr an deinen Vermieter zahlen musst). Mehr möchte ich an dieser Stelle dazu noch gar nicht sagen, weil wir uns mit diesem sehr, sehr komplexen Thema zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Blog noch intensiv beschäftigen werden.

 

 

  • Bildung: Dass Bildung und damit verbunden deine Arbeitskraft dein aller, aller größtes Vermögen darstellt, werden wir noch ausführlich in der nächsten Lektion besprechen. Deshalb ist es vollkommen in Ordnung, für eine sinnvolle Bildung, die einen beruflich weiter bringt, Geld zu investieren. Dies können die Kosten für den Abschluss eines „Meisters“ in deinem Beruf oder auch für ein Studium sein

 

  • Schließlich gibt es noch eine weitere Art von Schulden, auf die man sich einlassen kann, nämlich Schulden, die sicher durch deine Zinserträge bezahlt werden können. Du hast dir ja bereits ansatzweise deine finanziellen Ziele überlegt. Vielleicht ist da auch etwas wirklich Großes wie ein edler Wagen oder eine Ferienwohnung dabei. Wenn du dir diesen Wunsch jedoch erst nach meiner vorgestellten Berechnungsmethode in der letzten Lektion dieses Tutorial  erfüllen möchtest, würdest du bestimmt schon mit Krücken rumlaufen, bis du diesen dir leisten kannst. Deshalb darfst du auch dafür Schulden aufnehmen. Das entscheidende Wort in diesem Punkt lautet „sicher“. Damit meine ich, dass deine jährlichen Zinserträge in etwa 3 mal so hoch sein sollten, wie deine jährlichen Kreditkosten. Diesem Punkt werde ich irgendwann in weiter Ferne auch noch einen Extraartikel widmen

Get it done!

 

Für die, die bereits schon Schulden abzustottern haben, gilt: Ignorier diese nicht und mach dir einen Plan, wie du diese am schnellsten los wirst! Die nächsten Lektionen werden dir, wie bereits erwähnt, dabei helfen.

Für die, die bereits schon Schulden abzustottern haben, gilt: Ignorier diese nicht und mach dir einen Plan, wie du diese am schnellsten los wirst! Die nächsten Lektionen werden dir, wie bereits erwähnt, dabei helfen.

Quelle 1: Bayrischer Rundfunk; http://www.br.de/nachrichten/2015-bundeshaushalt-102.html; abgerufen am 6.10.15

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Philipp (Weg zum Reichtum) (Montag, 29 Februar 2016 10:53)

    Hi Kilian,
    Toller Beitrag, für mich persönlich ist das Eigenheim auch ein Luxusobjekt, welches ich nicht auf Pump finanzieren würde, allerdings für ein Mietobjekt wäre es mMn in Ordnung.
    Einen weiteren Punkt würde ich noch hinzufügen und zwar würde ich auch einen Kredit für Investitionen in die Hand nehmen, wodurch ich selbstständig werden würde, z.B. Erstausstattung einer Restaurantküche oder ähnliches.

    Gruss Philipp

  • #2

    Kilian (Donnerstag, 03 März 2016 16:46)

    Hallo Philipp,

    prinzipiell stimm ich deiner Anmerkung zu! Allerdings finde ich, sollte man vorher genau prüfen, ob sich entsprechende Investitionen auch eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, dass sich diese auch auszahlen werden....
    Aber ohne Investitionen ist es natürlich in den allermeisten Fälle so gut wie nicht möglich, ein Business zu starten!

    Beim Eigenheim bin ich hin- und hergerissen: als reines Luxusobjekt würde ich es allerdings nicht bezeichnen. Denn ein Vermögenswert bleibt ein Eigenheim, auch wenn man keine laufenden direkten Einnahmen erzielt.

    Beste Grüße
    Kilian